Künstliches Licht und Baumbestand beeinflussen die Aktivität von Fledermäusen in der Stadt

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) (Foto: Christian Giese)

Autorin: Dr. Tanja Straka, Technische Universität Berlin

Berlin, die Hauptstadt der Fledermäuse. Nicht ohne Grund hört man dies häufig, wenn von Fledermäusen in Berlin die Rede ist, denn von den in Deutschland bekannten 25 Fledermausarten sind in Berlin 18 Arten zu Hause. Die hohe Anzahl an nachgewiesenen Fledermausarten in Berlin zeigt, dass die grüne Hauptstadt mit ihren vielen Grünflächen (Parkanlagen, Friedhöfe, etc.) und Gewässern vielen unterschiedlichen Fledermausarten geeignete Lebensräume bietet.

Dennoch haben es nicht alle Fledermausarten in Berlin (und auch in anderen Städten) unbedingt leicht. Menschliche Einflüsse, wie Licht, Lärm oder (Gewässer)Verschmutzung können mehreren Arten schwer zu schaffen machen. Zwar erlaubt die Nutzung künstlicher Beleuchtung den Menschen bis weit in die Nacht hinein aktiv zu sein, allerdings können nachtaktive Tierarten wie Fledermäuse in ihrer Aktivität durch künstliches Licht eingeschränkt werden. Es ist bekannt, dass Fledermäuse artspezifisch und situationsabhängig auf Licht reagieren. Für manche Arten ist es beispielsweise bekannt, dass sie Flugrouten mit Licht vermeiden, während andere Arten Insekten um Straßenlaternen erjagen können. Weiterhin haben unterschiedliche Lichtquellen, beispielsweise mit oder ohne ultraviolettem Licht oder die Farbe des Lichts, einen Einfluss auf die Aktivität verschiedener Fledermausarten.

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellu) (Foto: Andreas Zahn)

Im Sommer (Juni-August) 2017 wurden auf 22 ausgewählten Grünflächen der insgesamt 56 Studienflächen des CityScape Labs Fledermausdetektoren aufgestellt, um jeweils für eine Nacht/einen Monat Fledermäuse zu erfassen. Hierbei wurden 11.000 Fledermausrufe aufgezeichnet, welche den einzelnen Arten zugeordnet wurden. Dadurch konnten die Aktivität bestimmter Arten an jedem Untersuchungsgebiet und -zeitraum bestimmt werden. Diese Daten wurden mit Informationen zu Baumkronendichte und Lichtvariablen (im Detail: allgemeine Lichtverschmutzung, Anzahl von den verschiedenen Straßenlampen im Umfeld) in Bezug gesetzt. Dadurch konnten die verschiedenen lokalen Lichtquellen in Kombination mit dem Baumbestand genauer abgebildet werden.

Abbildung: Lisa Giese

Fledermäuse und Licht sind ein wachsendes und spannendes, teils auch komplexes Forschungsfeld. Neu an unserer Studie, welche 2019 in Frontiers in Ecology and Evolution veröffentlicht wurde, war inwieweit die Baumkronendichte den Einfluss von verschiedenen Lichtquellen (beispielsweise mit und ohne Ultraviolettstrahlung) auf Fledermäuse beeinflusst. Bäume sind von großer Bedeutung für Fledermäuse. Sie bieten Rückzugsräume am Tage und können nachts stark beleuchteter Gebiete eingrenzen und dunkler machen. Die Studie wurde in Kooperation zwischen dem Leibniz Institut für Wildtierforschung und der Technischen Universität Berlin durchgeführt, die Daten von der Masterstudentin Maritta Wolf erhoben. Berlin’s geschichtlicher Hintergrund machte diese Untersuchung besonders spannend. So gab es im ehemaligen Ostteil Berlins hauptsächlich Natriumlampen (moderater Anteil an Ultraviolettstrahlung) während im ehemaligen Westteil Berlins vor allem Quecksilberlampen (hoher Anteil an Ultraviolettstrahlung) vorkamen. Diese Straßenlampen wurden und werden nach und nach mit LED- Lampen (keine Ultraviolettstrahlung) ersetzt. Demnach erstrecken sich über Berlin viele verschiedene Lichtquellen mit unterschiedlicher UV- Strahlung.

Die Ergebnisse zeigen erneut wie komplex die Zusammenhänge zwischen Licht und Fledermäusen sind. Zunächst konnte eine höhere Aktivität von zwei Fledermausarten (Pipistrellus pipistrellus (Zwergfledermaus) und Pipistrellus nathusii (Rauhautfledermaus)) in der Nähe von Straßenlampen mit hohem UV- Anteil festgestellt werden, was vermutlich darauf zurück zu führen ist, dass sich die Arten von Insekten ernähren, die von dem UV- Licht angezogen werden. Dagegen waren alle anderen Arten in der Nähe von Straßenlampen deutlich weniger aktiv, egal ob mit oder ohne UV- Anteil. In Zusammenhang mit der Baumkronendichte zeigte sich, dass eine Pipistrellus- Art (Pipistrellus pipistrellus) sogar in der Nähe von UV-haltigen Lichtquellen noch aktiver war, wenn viele Bäume in der Nähe standen. Zwergfledermäuse nutzen Vegetationsränder gerne als Leitlinien und möglicherweise wird diese Fledermausart selbst durch intensive UV- Beleuchtung davon nicht gehindert. Zum anderen locken die Straßenlaternen in vegetationsreichen Gebieten noch mehr Insekten an, die von den Fledermäusen verzehrt werden. Arten, welche auf dichte Baumbestände als Lebensraum angewiesen sind, wie zum Beispiel Mausohrfledermäuse (Gattung Myotis), sind bekannt dafür, dass sie lichtscheu sind. Dies wurde auch in dieser Studie wieder bestätigt. Sobald Straßenlampen – egal ob mit oder ohne UV-Anteil – in der Nähe dichter Baumbestände befanden, wurden noch weniger Mausohren in diesen Gebieten erfasst.

Ein abschwächender Effekt von Licht auf Fledermäuse durch Baumbestände wurde für eine Fledermausgruppe festgestellt, welche bevorzugt im offenen Luftraum fliegen und jagen. Diese Fledermäuse, welche zu der sogenannten NEV- Gruppe gehören, waren in Gebieten mit viel LED- Straßenlaternen aktiver, wenn das Streulicht der Straßenlaternen von dichten Baumkronen eingegrenzt wurde. LED-Leuchten ziehen keine großen Mengen von Insekten an und sind daher nicht attraktiv als Nahrungsgebiet für Fledermäuse. Die Baumabdeckung scheint das Streulicht abzufangen, so dass hochfliegende Fledermäuse im Schatten des Baumdaches fliegen können.

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) – gehört in die NEV Gruppe (Foto: Andreas Zahn)

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) –  gehört zu den Mausohrfledermäusen (Foto: Andreas Zahn)

Zusammengefasst zeigt die Studie, dass Fledermausarten nicht nur unterschiedlich auf die verschiedenen Lichtquellen reagieren, sondern dass dies zusätzlich durch Vegetation beeinflusst werden kann. Zwar zeigen sich große Unterschiede in dem Verhalten bestimmter Fledermausarten, doch insgesamt hat sich der negative Effekt von künstlicher Beleuchtung in der Nacht für Fledermäuse durch diese Studie bestätigt. Bäume sind für in der Stadt lebende Fledermäuse nicht nur als Rückzugsorte sehr wichtig, sondern auch als Nahrungsquelle, weil dort viele Insekten leben. Zudem werden auch für jene Fledermausarten, die opportunistisch an Straßenlaternen nach Insekten jagen, auf lange Sicht negative Effekte erwartet. Straßenlampen mit hoher UV- Strahlung ziehen die Insekten zwar an, dezimieren insgesamt aber deren Gesamtzahl bzw. sogar deren Artenvielfalt, was wir in einer Folgestudie zeigen konnten (derzeit in Review). Ableitend von dieser Studie empfehlen wir, dass baumreiche Gebiete nur sparsam beleuchtet und in stark beleuchteten Gebieten Bäume als Ausgleich gepflanzt werden sollten. Dies könnte ein substanzieller Beitrag zum Schutz von in Städten lebenden Fledermäusen und möglicher anderer nachaktiver Tiere sein, und somit mehr Natur in unsere Städte bringen.

Quelle: Straka, T. M., Wolf, M., Gras, P., Buchholz, S., & Voigt, C. C. (2019). Tree cover mediates the effect of artificial light on urban bats. Frontiers in Ecology and Evolution, 7, 91.

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